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Systemische Pädagogik

Systemische Pädagogik ist ein Ansatz in der Erziehungswissenschaft und Schulpraxis, der Kinder und Jugendliche nicht isoliert betrachtet, sondern immer als Teil eines größeren Systems – wie der Familie, der Schulklasse oder des Freundeskreises.

Anstatt das Verhalten eines Einzelnen (z. B. bei Problemen oder Konflikten) als reines "Fehlverhalten" dieser Person zu sehen, fragt die systemische Pädagogik danach, welche Rolle dieses Verhalten im gesamten Beziehungsgeflecht spielt.

Die Kernprinzipien

  • Ganzheitlicher Blick: Ein Mensch wird maßgeblich durch seine Umwelt und seine Beziehungen beeinflusst. Wenn sich ein Teil des Systems verändert, verändert sich das ganze System.
  • Ressourcen- und Lösungsorientierung: Der Fokus liegt nicht auf den Defiziten („Was läuft falsch?“), sondern auf den Stärken und Fähigkeiten („Was funktioniert schon gut und wie können wir darauf aufbauen?“).
  • Allparteilichkeit und Wertschätzung: Pädagoginnen und Pädagogen versuchen, alle Beteiligten (z. B. das Kind, die Eltern, die Lehrkräfte) gleichermaßen zu verstehen und einzubeziehen, ohne vorschnell Schuldige zu suchen.
  • Konstruktivismus: Jeder Mensch konstruiert seine eigene Wirklichkeit. Es gibt also nicht die eine absolute Wahrheit, sondern verschiedene Perspektiven auf eine Situation, die alle ernst genommen werden müssen.

Ein praktisches Beispiel

Wenn ein Schüler im Unterricht ständig stört, würde die traditionelle Pädagogik vielleicht nur den Schüler bestrafen.

Der systemische Ansatz fragt stattdessen: Welche Funktion hat das Stören? Reagiert der Schüler damit vielleicht auf Druck in der Familie, auf die Dynamik in der Klasse oder auf die Art der Kommunikation mit der Lehrkraft? Das Ziel ist es dann, gemeinsam mit dem Schüler und seinem Umfeld eine Lösung zu finden, die für alle Beteiligten funktioniert.

Dr. Simone Waplinger    Kontakt    Impressum   Datenschutz